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Ansgar (801 - 3. Februar 865): Der Apostel des Nordens Wer die Stiftskirche von Ramelsloh, einem Ort in der niedersächsischen Gemeinde Seevetal südlich von Hamburg, betritt, dem leuchtet ein prächtiges Fenster ins Auge, das den Erzbischof Ansgar sowie die Heiligen Sixtus und Sinnitius zeigt. Dieses Fenster ist ein leuchtender Grabstein für den „Apostel des Nordens“, der nach seiner Vertreibung aus Hamburg in Ramelsloh Zuflucht gefunden hat. Ansgar die Übersetzung seines Namens bedeutet „Gottes Speer“ wurde im Jahr 801 in der nordfranzösischen Picardie geboren. Seine Mutter verstarb früh, und der Vater übergab den fünfjährigen Sohn zur Erziehung der Klosterschule zu Corbie. Die alte Benediktiner-Abtei an der Somme ist bis heute in Ruinen erhalten. Als Ansgar im Jahr 806 in diese Abtei eintritt, ist ein Vetter Karls des Großen Vorsteher der Klosterschule. Er hat den ausgeweckten Knaben gern und nimmt sich seiner intensiv an. Mit zwölf Jahren nach anderen Quellen mit 15 legt Ansgar das Mönchsgelübde ab, wünscht sich schon mit jungen Jahren die Märtyrerkrone, die ihm aber nicht zuteil werden soll. Als Karl der Große am 28. Februar 814 stirbt, ist Ansgar selbst Lehrer in Corbie. Ludwig der Fromme übernimmt das Regiment im Sachsenland, und das hat Konsequenzen für Corbie: 815/16 wird die älteste Benediktiner-Abtei im Sachsenland, das Kloster Hethi, von den Onkeln Ludwigs des Frommen Adalhard und Wala erbaut und nur wenige Jahre später nach Corvey bei Höxter verlegt. Mönche von Corbie bauen diese Abtei und prägen sie die neue Gründung mit dem Namen „Corbeja nova“ Neu-Corbie. Ansgar siedelt mit den Mönchen von Alt- nach Neu-Corbie um, wird Scholastikus oder Vorsteher der Klosterschule, später auch Hauptprediger. Er erlernt die sächsische Sprache und findet in der neuen Umgebung viele Freunde. Im Jahr 826 kommt der Dänenkönig Harald mit großem Gefolge auf den Reichstag zu Mainz und bittet den Frankenkaiser Ludwig den Frommen um Hilfe gegen Aufständische im eigenen Lande. Bei dieser Gelegenheit begehrt er auch die Taufe, die im Mainzer Münster festlich vollzogen wird. Dem gerade christlich gewordenen König muß ein erprobter Mann als Missionar zur Seite gestellt werden, und Ansgar ist zu dieser Aufgabe sogleich bereit. In Autbert, einem Mönch aus Neu-Corvey, findet er einen Begleiter. Ausgerüstet mit Kirchengerät und Büchern, geht es den Rhein abwärts und dann ins heutige Schleswig. Dort wird eine Schule gegründet für einen Kirchbau ist die Zeit noch nicht reif. Schon bald wird König Harald von den Söhnen seines Vorgängers verdrängt. Sie treten zwar den Missionaren nicht feindlich entgegen, aber das Missionswerk findet keinen Fortgang zumal Ansgars Begleiter erkrankt und nach Corvey zurückreist. Ansgar bleibt allein in Schleswig zurück. Das Warten hat Sinn, denn 829 erscheinen auf der Reichsversammlung zu Worms schwedische Abgesandte und tragen die Bitte ihres Volkes um Unterweisung in der christlichen Lehre vor. Der König werde christliche Lehrer in seinem Lande dulden. Ansgar wird für würdig befunden, die schwedischen Gäste zu begleiten. Sogleich erhält er die Weisung, nach Worms zu kommen und sich nicht eher den Bart scheren zu lassen, als bis er vor dem Kaiser stünde. Das ist als Aufforderung zu besonderer Eile zu verstehen. Voller Freude nimmt Ansgar den Auftrag zur Schwedenmission entgegen. In Schleswig lässt er sich durch einen anderen Mönch aus Corvey vertreten, und Witmar, der mit ihm gemeinsam in Alt-Corbie Schulmeister war, wählt er sich als Gefährten für die Schweden-Mission aus. Auf der Reise wird das Schiff von normannischen Seeräubern überfallen. Die kaiserlichen Geschenke für den Schwedenkönig, Bücher und Kirchengeräte sind verloren, Ansgar und Witmar retten das blanke Leben und ziehen zu Fuß weiter nach Sigtuna am Mälarsee, den Ursitz der schwedischen Könige. In Birka wird Ansgar von König Björn feierlich empfangen, und er versichert dem Missionar, dass er seine Botschaft ungehindert verbreiten darf. Viele Schweden lassen sich spontan taufen, darunter Hergier aus dem Rat des Königs. Auf dessen Gut wird die erste Kirche unter den Nordgermanen gebaut. Ein Jahr später kehren Ansgar und Witmar aus Schweden zurück, um dem Kaiser Vollzug zu melden. Ludwig der Fromme hatte sich nach der Entthronung seiner Söhne noch einmal erhoben und eine Reichsversammlung in Diedenhofen (Thionville in Lothringen) einberufen. Als Ansgar dort seinen Bericht hält, beschließt die Versammlung, im Norden einen erzbischöflichen Sitz zu errichten, und zwar in Hamburg. Die Bischöfe Willerich von Bremen und Helingaud von Verden treten ihre Gebiete nördlich der Elbe ab, und der Kaiser schenkt der jungen Hamburger Kirche als wirtschaftliche Basis die Zelle Türhold in Flandern. Als Kaiser und Reichstag die Gründung des Erzbistums Hamburg vollziehen, wird der inzwischen 30jährige Ansgar zum Erzbischof benannt. Der Papst bestätigt die Wahl und ernennt Ansgar zum päpstlichen Beauftragten für die gesamte Mission im Norden. Kaum trägt Ansgar das Pallium, da bereist er die Gegend an der Unterelbe, besucht auch seine früheren Missionsstätten in Schleswig und Dänemark. In Hamburg baut er eine Hauptkirche, Kloster, Bibliothek und Schule, gründet in den nächsten zehn Jahren zahlreiche Filialkirchen. Aber es kriselt im Norden: Dänenkönig Harald wird vertrieben, und sein Nachfolger erklärt dem Christentum den Krieg. Auch Gautbert, Ansgars Nachfolger in Schweden, wird vertrieben. Im Jahr 845 erscheinen die Dänen mit 600 Schiffen vor Hamburg und legen die Stadt völlig in Asche. Nur sein Leben und die Reliquien der Heiligen Sixtus und Sinnitius kann er retten. Ansgars Lebenswerk ist in Gefahr, zumal ihm auch die wirtschaftliche Grundlage abhanden gekommen ist: Die Zelle Turhold in Flandern war ihm bei der Länderteilung 843 nach dem Tode Ludwigs des Frommen genommen worden, und der Bremer Bischof bedauerte seinen heimatlosen Kollegen allenfalls mit einem Achselzucken. In dieser Situation schenkt ihm eine fromme Frau namens Ikia das Gut Ramsloa im Bistum Verden, drei Meilen von Hamburg entfernt. Von hier aus soll Ansgar sein Missionswerk nun neu ordnen und beginnen, soll die verstreuten Brüder sammeln und ein Benediktinerkloster sowie eine Klosterschule errichten. Doch dieses Notquartier nutzt Ansgar nur kurze Zeit: Als der Bremer Erzbischof stirbt, vereint Ludwig der Deutsche die Erzbistümer Bremen und Hamburg und versetzt Ansgar nach Bremen. Der Zusammenlegung der Erzbistümer bei Eigenständigkeit beider Domkapitel im Jahr 847 stimmt der Papst zu, und so hat Ansgar den Rücken frei zu einer neuen missionarischen Offensive in Richtung Norden. Vom Dänenkönig Horich erhält er die Erlaubnis, in Hadeby eine Kirche zu bauen, und auch nach Schweden reist er erneut. Dort ist ein so starker Kampf gegen das Christentum entbrannt, dass Ansgar auf den Märtyrertod hofft. Aber eine Volksversammlung beschließt, die christliche Mission nicht weiterhin zu behindern, und nach zweijähriger Missionsarbeit ist das Feld in Schweden bestellt. Ansgar überlässt die weitere Arbeit nachrückenden Mitarbeitern aus Corvey. Als Dänenkönig Horich in einer Schlacht fällt und sein junger Enkel als Horich II. den Thron besteigt, säen seine Räte erneut Feindschaft gegen das Christentum. Doch Ansgar kann die neuen Animositäten abwenden, indem er den jungen Mann zum Freund gewinnt. Die Kirche in Schleswig, zeitweilig geschlossen, wird wieder geöffnet und mit einem Glockengeläut ausgestattet. Eine weitere Kirche wird in Riepen gebaut. Ansgar kehrt nach Bremen zurück und widmet sich dort bis an sein Lebensende der Jugend und den Armen. Zu seinem Kummer war ihm die Märtyrerkrone nicht gegönnt. Mit 64 Jahren spürt er die Kräfte schwinden. Noch auf dem Sterbebett erinnert er in einer feierlichen Messe alle in Bremen anwesenden Geistlichen an ihre Pflichten. Sein späterer Nachfolger und Biograph Rimbert schreibt: „So starb Ansgar mit zum Himmel gerichteten Augen am 3. Februar 865. Er wurde im St.-Petri-Dom zu Bremen begraben. Das Volk trauerte lange um ihn. Später versetzte ihn der Papst unter die Schar der Heiligen, und die Geschichte hat ihm den Namen eines 'Apostel des Nordens' beigelegt.“ Enthalten im Buch von Martin Teske „Die Großen im Lande“,. Band 1. Eigenverlag manuskript. Radbruch 2000 Fundstelle: "http:www.mmanuskriptt.de" |